Horizontale Brustabnäher stricken

Ich bin gerade mit dem Stricken der Ärmel und des Vorder/Rückenteils meines pinken Pullovers fertig und kann heute Abend endlich mit der Rundpasse starten! Und da ich gerade mal wieder die für mich obligatorische Änderung (nämlich horizontale Brustabnäher stricken) gemacht habe, habe ich die mal für Euch dokumentiert und aufgeschrieben. Für alle, die sich fragen, wovon ich eigentlich spreche: durch horizontale Brustabnäher erhält man einen waagerechten Saum am Pulli, wenn er sich sonst dank großer Oberweite vorn nach oben heben würde. Man löst das Problem des sich hebenden Saums, indem man im Vorderteil in Brusthöhe ein Paar verkürzte Reihen zusätzlich arbeitet. (Eine ausführliche Anleitung zu verkürzten Reihen gibt es übrigens hier.)

horizontale Brustabnäher stricken - bereit zum wickeln und wenden

Brustabnäher bis 3 M vor dem Wickel gestrickt und bereit zum Wicklen und Wenden.

Horizontale Brustabnäher stricken geht so:

Reihe 1: Rechts stricken bis _____ X Maschen vor Reihenende (oder Seitennahtmarkierer, beim Arbeiten in Runden), wickeln & wenden.

Reihe 2: Links stricken bis _____ X Maschen vor Reihenende (oder Rundenmarkierer, beim Arbeiten in Runden), wickeln & wenden.

Reihe 3: Rechts stricken bis _____ X Maschen vor der nächsten umwickelten Masche, wickeln & wenden.

Reihe 4: Links stricken bis _____ X Maschen vor der nächsten umwickelten Masche, wickeln & wenden.

Die letzten beiden Reihen  _____ – 2 = _____ Mal wiederholen.

Nächste Reihe/Runde: rechts stricken bis Reihen/Runden-ende und dabei die Wickel aufnehmen. An den Seitennähten wurde jeweils nur eine Reihe (Runde) gestrickt, während die vordere Mitte jetzt länger ist. Auch in der nächsten Reihe/Runde nicht vergessen, die noch nicht gearbeiteten Wickel aufzunehmen.

horizontale brustabnäher stricken - Längenunterschied im Detail

Alle verkürzten Reihen für den horizontalen Brustabnäher stricken, dann die Wickel aufnehmen.

Wir brauchen allerdings die genauen Zahlen für X und Y, damit wir horizontale Brustabnäher stricken können. Da diese für jedes Projekt und vor allem jeden Menschen anders sind, werde ich jetzt Schritt für Schritt zeigen, wie man sie ermittelt. Als erstes müssen wir herausfinden, um wie viele Zentimeter das Vorderteil länger als das Rückenteil werden muss. Dafür brauchen wir zwei Maße, nämlich die vordere und die hintere Länge bis zur Taille. Um sie zu messen, bindet man sich am besten einen Faden um die Taille und misst dann von der Schulternaht zu besagtem Faden. Und zwar einmal den Rücken (hinter Länge) hinunter und einmal über den Brustpunkt (vordere Länge). Dabei ist es wichtig, dass der Faden ganz waagerecht um die Taille liegt. Wenn der Pullover eher eng ist, dann das Bandmaß vorn zur Taille führen, wenn der Pullover locker hängt, auch das Bandmaß hängen lassen.

Jetzt ziehen wir von der vorderen Länge die hintere Länge ab. In meinem Fall heißt das: 48,2cm (vordere Länge) – 44,5cm (hintere Länge) = 3.7cm. Das ist der Längenunterschied, um das mein Pullover vorn länger werden muss als am Rücken.

_____ (vordere Länge) – _____ (hintere Länge) = _____ (Längenunterschied)

Dieser Längenunterschied wird nun mit der Reihenanzahl der Maschenprobe multipliziert und das Ergebnis wird auf die nächste gerade Zahl gerundet. Das ergibt die Reihenanzahl, die in der vorderen Mitte zusätzlich gestrickt werden muss. Teilt man diese Zahl durch 2 ergibt sich Y oder die Gesamtanzahl der Wendepunkte pro Seite. Meine Reihenanzahl der Maschenprobe ist 27 Reihen je 10 cm das entspricht 2,7Reihen/cm. 3,7cm * 2,7Reihen/cm = 9.99 Reihen, die gerundet 10 ergeben. 10 / 2 = 5 = Y.

_____ (Längenunterschied) * _____ (Reihen/cm) = _____

auf die nächste gerade Zahl: _____ / 2 = _____ = Y

Nachdem wir jetzt Y haben, ermitteln wir nun X oder die Anzahl der Maschen, die zwischen den einzelnen Wendepunkten liegen. Jetzt brauchen wir die Anleitung. Genauer gesagt die Breite des Vorderteils auf Brusthöhe. Falls nur der Brustumfang gegeben ist, muss diese Angabe durch zwei geteilt werden, um die Breite des Vorderteils zu ermitteln. Als nächstes messen wir den Abstand zwischen den beiden Brustpunkten und addieren zu diesem Wert 5cm.  Diese Zahl ziehen wir von der Breite des Vorderteils ab und teilen das Ergebnis durch zwei um die Abnäherlänge zu erhalten. In meinem Fall ist der Brustumfang des Pullovers 99cm / 2 = 49,5cm Breite des Vorderteils. 49,5cm Breite des Vorderteils – 30cm (Abstand zwischen den Brustpunkten + 5cm) = 19,5cm 19,5 / 2 = 9,75cm Abnäherlänge.

_____ (Abstand zwischen den Brustpunkten) + 5cm = _____

_____ (Breite des Vorderteils) – _____ (Abstand zwischen den Brustpunkten + 5cm) = _____ (Abnäherlänge)

Die Abnäherlänge wird jetzt mit der Maschenanzahl je Zentimeter der Maschenprobe multipliziert und dann durch Y (die Anzahl der Wendungen von vorhin) geteilt. Als letztes wird das Ergebnis auf eine ganze Zahl gerundet.  9,75cm * 1,7Maschen/cm = 16 Maschen  16 Maschen / 5 = 3,2 Maschen; gerundet 3 = X.

_____ (Abnäherlänge) * _____ (Maschenanzahl/cm) = _____ / _____ (Y) = _____

auf die nächste ganze Zahl gerundet: _____ = X

horizontale Brustabnäher stricken - so sieht der Unterschied fertig aus

Der Pullover liegt auf der Vorderseite. Man sieht sehr schön, dass sie nun in der Mitte länger ist als die oben liegende Rückseite.

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herrlichkeiten.net

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Christina, ich danke dir sehr für diese genaue Anleitung. Ich brauche diese Brustabnäher ebenfalls – ich habe fast mit dem Stricken aufgehört, da ich figurbetonte Pullis mag und die Oberweite immer ein Problem ist – eine Grösse grösser ist ja da nicht die richtige Lösung, sondern mehr Vorderlänge.
    Herzliche Grüsse
    berry

  2. Hallo berry, ich stricke gerade meinen ersten Cardigan und bin jetzt an dem Punkt wo es erfahrungsgemäß “eng” werden könnte 😉

    Da habe ich nach Brustzunahmen gegoogelt und bin bei deiner tollen Erklärung hängengeblieben. Fix vermessen, ausgerechnet und jetzt kann es ans stricken gehen 🙂 Gerade für mich als “Oberteil-Anfänger” eine super Erläuterung! Wenn es klappt gibts auf jeden Fall ein Bild bei mir im Blog 😉 LG, Ela

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