Wie macht man eine Maschenprobe?

Nach dem Post vorletzten Freitag darüber, weshalb man unbedingt eine Maschenprobe machen sollte, kommt heute endlich die Anleitung, wie man eine Maschenprobe macht.

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Zur Erinnerung: Man macht eine Maschenprobe, um festzustellen, wie viele Maschen und Reihen man braucht, um ein 10 x 10 cm großes Quadrat zu stricken. (Und natürlich, um zu testen, ob einem die Kombination von Garn und Nadel gefällt.)

Was läge da also näher, als Zeit und Garn zu sparen und genau so viele Maschen anzuschlagen, wie in der Strickanleitung für 10 cm angegeben sind? Wie so oft im Leben, ist das Naheliegende leider nicht das Richtige… denn Randmaschen neigen dazu, sich nicht so breit zu machen, wie die Maschen mitten drin. Die Maschenprobe würde also nicht mal dann 10 cm breit sein, wenn sie eigentlich stimmt. Außerdem werden messen und zählen zur Herausforderung, weil das Ding sich ganz fürchterlich rollen wird. Glatt rechts liegt halt leider überhaupt nicht gern glatt.

Meine Erfahrung ist, dass ich am besten damit fahre, wenn ich nicht nur die angegebene Maschenzahl anschlage, sondern noch 12 bis 15 Maschen mehr. Die ergeben sich aus je 4 bis 5 Randmaschen für jede Seite, die nicht glatt rechts sondern kraus rechts gestrickt werden, damit sich die Maschenprobe nicht seitlich zusammenrollt, und noch 3 bis 5 Maschen extra, falls man doch etwas fester (enger, kleiner) strickt. Außerdem kann ich so an mehr als einer Stelle auszählen. Wir sind halt keine Maschinen und trotz noch so gleichmäßigem Maschenbild kann es zu Schwankungen kommen.

Nachdem ich jetzt also weiß, wie viele Maschen ich anschlage, kommt das eigentliche Stricken: die ersten 6 Reihen werden erst einmal kraus rechts gestrickt. Punkt. Genauso wie die letzten 6. Auch dieses Mal, damit die Maschenprobe flach liegt und sich so leichter (und vor allem genauer) auszählen lässt. Dazwischen stricke ich mindestens 12 cm glatt rechts (mit dem oben erwähnten kraus rechten Seitenrand). Abketten. Fertig.

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Maschen zählen an der (ungespannten) Maschenprobe

Jetzt geht es ans Auszählen: Lineal quer anlegen und zählen, wie viele Maschen 10 cm ergeben. Das Ganze nochmal auf verschiedenen Höhen wiederholen. Dann das Lineal senkrecht anlegen und die Reihen auszählen. Wenn z.B. das Ergebnis des Zählens einmal 22,5 und zweimal 23 Maschen ist, würde ich mit 23 Maschen auf 10 cm rechnen.

Und dann? Die Maschenprobe bitte nicht auftrennen, sondern waschen. Und zwar ganz genau so, wie Ihr plant, das fertige Strickstück zu waschen. Das ist ein super Test, ob sich das Gestrickte nachher für die Maschine eignet, oder doch lieber mit der Hand gewaschen werden sollte. Ob das Material weicher wird oder gleichmäßiger. So ist die Maschenprobe gleich noch zu etwas gut. Dann die Maschenprobe spannen oder flach liegend trocknen. Alle, die auf Nummer Sicher gehen wollen, zählen die Maschenprobe wenn sie trocken ist noch einmal aus. Dann weiß man, ob das fertige Stück später noch wächst (das passiert bei lose gesponnenen Garnen manchmal) oder vielleicht einläuft (z.B. Baumwolle) und kann die Größe dementsprechend wählen.

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Die selbe Maschenprobe nach dem Spannen – ein Riesenunterschied!

Was tun, wenn den ausgezählten Werte nicht zu den gewünschten passen? Bei zu vielen Maschen und Reihen in der Maschenprobe das Ganz noch einmal mit einer dickeren Nadel wiederholen oder vielleicht eine Nummer kleiner stricken. Bei zu wenigen dementsprechend auf dünnere Nadeln/dünneres Garn ausweichen und noch einmal eine Maschenprobe stricken bzw. eine größere Größe stricken.

Zusammenfassung: Eine Maschenprobe sollte immer größer als 10 x 10 cm sein und zusätzlich noch einen kraus rechts gestrickten Rand haben. Dazu ca. 15 Maschen mehr als auf 10cm laut Etikett benötigt werden anschlagen. Die ersten 6 Reihen kraus rechts stricken. Auf den folgenden 12 cm die ersten und letzten 5 M kraus und die dazwischen liegenden Maschen glatt rechts stricken, dann noch einmal 6 Reihen kraus rechts stricken und abketten. Die Maschen- und Reihenanzahl auf 10 cm glatt rechten Maschen mehrmals auszählen und einen Mittelwert bilden.

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Die Reihen sind dran.

Und die versprochene Ausnahme von der Regel? Die kommt jetzt: Bei kleinen Projekten, die man messen/auszählen oder anprobieren kann während man sie strickt, kann man auf eine extra Maschenprobe verzichten und einfach den Anfang des Projekts als Maschenprobe missbrauchen. In die Kategorie fallen für mich zum Beispiel schmale gerade Schals und Handschuhe.

Veröffentlicht von

herrlichkeiten.net

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